Dienstag, 21. Juli 2026

Wie geil einfach alles ist

Besten Dank an "Chr", hoffe das Buch gefällt! :) 

Zur Sache:  

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Immer wenn sich am 15. Juli mein “zweiter Geburtstag” jährt, muss ich darüber nachdenken, wie geil einfach alles ist. 

Gestern war ich am Wasser. Ein kleiner Strand, etwas abgelegen, blitzblank sauber.

Am Parkplatz steht ein Mülleimer. Hauptsaison, also ist er zum Bersten voll, und um ihn herum stehen Flaschen und liegen Müllbeutel, teils mit Steinen beschwert, damit sie nicht wegwehen. 

Jedes Stück Müll, so scheint mir, ist eine stille Abstimmung. Dafür, dass wir noch immer in einer Gesellschaft leben, dass wir den Strand bewahren wollen, dass diese seltenen Orte unentstellter Natur allen gehören, dass meine Zeit nicht mehr wert ist als die derjenigen, die den Scheiß hinter mir wegräumen müssen.

Dann fahre ich nach Hause. Mein Auto ist ein Meisterwerk japanischer Ingenieurskunst, mit Reifen aus Afrika und Computerchips aus Taiwan. Entworfen von Japanern und Amerikanern, gebaut in Hiroshima. Ist das allein nicht schon fantastisch? Und diesem komplexen Wunder moderner Lieferketten und internationaler Zusammenarbeit kann ich jeden Tag mein Leben anvertrauen, wie jeder andere auf der Straße, und fast nie geht diese Wette schief. 

Auf dem Heimweg noch kurz bei Lidl gehalten. Da tausche ich vier Stunden meiner Arbeitszeit gegen einen Einkaufswagen voll gesunder, vielfältiger und köstlicher Lebensmittel, der mich für ‘ne ganze Woche satt macht und von dem die meisten meiner Vorfahren nur hätten träumen können. 

Abends dann in die Kletterhalle. Eine Sektion wurde kreativ neu geschraubt, wie jede Woche, von Fachleuten mit echter Leidenschaft für ihr Handwerk. Ich darf mich anstrengen und erfundene Probleme lösen, nicht weil mein Leben davon abhängt, sondern einfach weil es Freude bringt. 

Und wenn ich dann am Ende des Tages müde, satt, befriedigt, dankbar und voller Zuversicht im Bett liege kommt eine Welle über mich. Diesmal nicht aus Ahrwasser und Schlamm und Trümmern, sondern aus Dankbarkeit: 

Alles ist geil und ich darf’s erleben.  

Mittwoch, 15. Juli 2026

Kurzes Gedicht: Sport mit ü30

Ist mir heut beim Laufen eingefallen. Ach ja, danke an LJ, Max und Thomas für den Motivationsschub :) 

Ein echter Text kommt noch, keine Sorge.  

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Mein Körper ist geschunden:
Vom Wandern über Felder,
Über Felsen und durch Wälder,
Und vom Klettern über Stunden.

Merk das schwere-Sachen-Heben,
Merk das Ziehen und das Drücken
In den Knien und im Rücken
Fühle mich kaum noch am Leben

Manchmal fall ich und ich scheiter’,
Lieg auf Knien und auf Händen,
Seh nicht ein es zu beenden,
Klopf mich ab und mache weiter.

Und leg ich mich endlich nieder:
Wird es morgen, mach ich’s wieder.

Mittwoch, 8. Juli 2026

Straßenlaternen und Abendbrot

Vielen Dank an Fide, Jan, Janis, Sandra und den anderen Stefan für die Motivationsspritzen, hoffe das Buch gefällt. :) 
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Text war mies, ich überarbeite ihn aktuell. 

Mittwoch, 10. Juni 2026

Mein Buch "Bildungsfern" ist wieder als Druckausgabe zu haben

So Leute, gaaaanz kurz mal eben...  

Wie ein Unbekannter hier kommentiert hat, "Amazon ist nicht der Mittelpunkt der Welt!" und so ist Bildungsfern jetzt wieder als Taschenbuch zu kaufen. 

Epubli: Bildungsfern

Amazon:  Bildungsfern

Ich will den Print-on-Demand Service mal testen, falls sich hier ein paar Bücher verkaufen und die Bewertungen gut ausfallen würde ich auch "Vagabund" darüber vertreiben. 

Von den 8,49 € Kaufpreis landen übrigens 2,40 € bei mir. 

Ein neuer Text erscheint die Tage, stay tuned. 

Haut rein und man liest sich,

StSt

Sonntag, 17. Mai 2026

Kleinstadtquartett, Vierter Teil: die junge Mutter

Wer den Blog unterstützen möchte: 

Das ganze Quartett als Epub und PDF mit coolem Cover für nur 1,00 € gibt es HIER zu kaufen.

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Die junge Mutter sitzt im Wartezimmer. Vor dem Fenster wird eine Eiche langsam grün, die Luft riecht nach Weidenkätzchen. 

Zwei ältere Damen sind augenscheinlich nur zum Schwätzen dort, und während die Mutter wartet, stößt noch eine dritte dazu. Ilse hat dies, Hannelores Mann hat das, leeres Geläster. Die Mutter ist müde. Sechs Wochen hatte sie auf den Termin warten müssen, das Knie war noch immer nicht belastbar, ihr Job als Kellnerin, was ihren Job als Kellnerin noch schwieriger machte.

Das Lokal an der B9, ein Treffpunkt für Biker mittleren Alters (ein Ausdruck den die junge Mutter schon immer euphemistisch fand, hatten die meisten ihrer Kunden doch deutlich mehr als die Hälfte des Lebens hinter sich) hatte sich nicht sehr verständnisvoll gezeigt, und ihr Boss, der seinerzeit selbst den Laden geerbt hatte, schien ihr jeden Arztbesuch persönlich zu nehmen. 

Aber sie braucht das Geld dringend, gerade noch hatte sie versehentlich eine Rechnung weggeworfen, die in einem Schwall von Werbung im Briefkasten untergegangen war... 

Als wäre das nicht genug, schlug letzte Woche auch noch ihre Unfallgegnerin in der Kneipe auf. Dort saß sie mit einem Herrn der der jungen Mutter vage bekannt vorkam, und es gab ihr etwas Genugtuung, dass das Date fürchterlich dumpf zu laufen schien. 
Die Frau, sichtlich desinteressiert, der Mann bemüht, aber durchgängig am labern. 

Mindestens zweimal hörte die junge Mutter das Wort “Stadtoberinspektor”; der Monolog des Herren fügt sich perfekt in das geistlose Rauschen der anderen Gäste ein. 

Dann bringt sie die Rechnung, 18,70 € bitte, die Dame zahlt. Als Dankeschön für das Motorrad, sagt sie zu ihrer Begleitung. Was immer das heißt. Und während die junge Mutter ein Lächeln aufsetzt, was freundlich sein sollte aber gequält wirken muss, kramt die Dame ein paar Scheine und Münzen heraus. Zehn - fünfzehn - siebzehn - achtzehn - achtzehnfünfzig - achtzehnsechzig - achtzehnsiebzig, bitteschön. Trinkgeld war selten geworden, und wenn es mal großzügig ausfiel, dann kam es fast immer mit einer Portion sexueller Belästigung. 

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Der Sohn wird unruhig, die pädagogisch wertvollen Holzspielzeuge üben keinen Reiz auf ihn aus, die abgegriffenen Lustigen Taschenbücher erst recht nicht. Wie sollen sie auch mit dem bunten, aufregenden Lärm konkurrieren, der ihm so häufig multimedial um Aug’ und Ohr dröhnt? Meist guckt er zwei Videos gleichzeitig, ein endloser Schwall aus kurzen Ausschnitten, ulkige Tänze auf der einen Bildschirmhälfte, Minecraft-Parcour auf der anderen - eine Lobotomie in kindgerechten Häppchen. 

So bettelt er um das iPad, zu jung um seinen Wunsch zu artikulieren, aber “iPad” kann er schon sagen, dann rufen, dann brüllen, um seinem Sehnen Nachdruck zu verleihen. Die Mutter, müde, mit noch immer schmerzendem Knie, und selbst ins Handy vertieft, gibt nach. Kopfhörer benutzen die beiden nicht, die anderen Patienten schauen genervt.

Von draußen weht eine nikotinhaltige Zuckerwattewolke ins Fenster; die Kakophonie aus Handy und Tablet fügen sich in den Straßenlärm ein.