Mittwoch, 10. Juni 2026

Mein Buch "Bildungsfern" ist wieder als Druckausgabe zu haben

So Leute, gaaaanz kurz mal eben...  

Wie ein Unbekannter hier kommentiert hat, "Amazon ist nicht der Mittelpunkt der Welt!" und so ist Bildungsfern jetzt wieder als Taschenbuch zu kaufen. 

Ich will den Print-on-Demand Service mal testen, falls sich hier ein paar Bücher verkaufen und die Bewertungen gut ausfallen würde ich auch "Vagabund" darüber vertreiben. 

Von den 8,49 € Kaufpreis landen übrigens 2,40 € bei mir. 

Ein neuer Text erscheint die Tage, stay tuned. 

Haut rein und man liest sich,

StSt

Sonntag, 17. Mai 2026

Kleinstadtquartett, Vierter Teil: die junge Mutter

Wer den Blog unterstützen möchte: 

Das ganze Quartett als Epub und PDF mit coolem Cover für nur 1,00 € gibt es HIER zu kaufen.

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Die junge Mutter sitzt im Wartezimmer. Vor dem Fenster wird eine Eiche langsam grün, die Luft riecht nach Weidenkätzchen. 

Zwei ältere Damen sind augenscheinlich nur zum Schwätzen dort, und während die Mutter wartet, stößt noch eine dritte dazu. Ilse hat dies, Hannelores Mann hat das, leeres Geläster. Die Mutter ist müde. Sechs Wochen hatte sie auf den Termin warten müssen, das Knie war noch immer nicht belastbar, ihr Job als Kellnerin, was ihren Job als Kellnerin noch schwieriger machte.

Das Lokal an der B9, ein Treffpunkt für Biker mittleren Alters (ein Ausdruck den die junge Mutter schon immer euphemistisch fand, hatten die meisten ihrer Kunden doch deutlich mehr als die Hälfte des Lebens hinter sich) hatte sich nicht sehr verständnisvoll gezeigt, und ihr Boss, der seinerzeit selbst den Laden geerbt hatte, schien ihr jeden Arztbesuch persönlich zu nehmen. 

Aber sie braucht das Geld dringend, gerade noch hatte sie versehentlich eine Rechnung weggeworfen, die in einem Schwall von Werbung im Briefkasten untergegangen war... 

Als wäre das nicht genug, schlug letzte Woche auch noch ihre Unfallgegnerin in der Kneipe auf. Dort saß sie mit einem Herrn der der jungen Mutter vage bekannt vorkam, und es gab ihr etwas Genugtuung, dass das Date fürchterlich dumpf zu laufen schien. 
Die Frau, sichtlich desinteressiert, der Mann bemüht, aber durchgängig am labern. 

Mindestens zweimal hörte die junge Mutter das Wort “Stadtoberinspektor”; der Monolog des Herren fügt sich perfekt in das geistlose Rauschen der anderen Gäste ein. 

Dann bringt sie die Rechnung, 18,70 € bitte, die Dame zahlt. Als Dankeschön für das Motorrad, sagt sie zu ihrer Begleitung. Was immer das heißt. Und während die junge Mutter ein Lächeln aufsetzt, was freundlich sein sollte aber gequält wirken muss, kramt die Dame ein paar Scheine und Münzen heraus. Zehn - fünfzehn - siebzehn - achtzehn - achtzehnfünfzig - achtzehnsechzig - achtzehnsiebzig, bitteschön. Trinkgeld war selten geworden, und wenn es mal großzügig ausfiel, dann kam es fast immer mit einer Portion sexueller Belästigung. 

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Der Sohn wird unruhig, die pädagogisch wertvollen Holzspielzeuge üben keinen Reiz auf ihn aus, die abgegriffenen Lustigen Taschenbücher erst recht nicht. Wie sollen sie auch mit dem bunten, aufregenden Lärm konkurrieren, der ihm so häufig multimedial um Aug’ und Ohr dröhnt? Meist guckt er zwei Videos gleichzeitig, ein endloser Schwall aus kurzen Ausschnitten, ulkige Tänze auf der einen Bildschirmhälfte, Minecraft-Parcour auf der anderen - eine Lobotomie in kindgerechten Häppchen. 

So bettelt er um das iPad, zu jung um seinen Wunsch zu artikulieren, aber “iPad” kann er schon sagen, dann rufen, dann brüllen, um seinem Sehnen Nachdruck zu verleihen. Die Mutter, müde, mit noch immer schmerzendem Knie, und selbst ins Handy vertieft, gibt nach. Kopfhörer benutzen die beiden nicht, die anderen Patienten schauen genervt.

Von draußen weht eine nikotinhaltige Zuckerwattewolke ins Fenster; die Kakophonie aus Handy und Tablet fügen sich in den Straßenlärm ein. 

 

 

 


 

 

 

 

Mittwoch, 8. April 2026

Stütze ist zurück

Moin allerseits,

nachdem ich durch den Amazon-Ban etwas demotiviert wurde und meine Reddit-Nutzung "dank" einer Flut von Slop stark nachgelassen hat, hier ein Lebenszeichen. 

Ich habe beschlossen, dem Trend zu trotzen und noch ein paar authentische Texte rauszuballern, bevor des Internets Sterbeglocken läuten. Rage, rage against the dying of the light und so. 

Zeitplan für 2026:

heute: "Bildungsfern" - gratis runterladbar unter https://ko-fi.com/s/109c93e46b

01.05. - Finale des Kleinstadtquartetts 

Juni-August: drei "klassische" Unterschichtblog Posts  

31.08. - Release der "Bildungsfern"-Forsetzung: Vagabund als PDF und Epub für 1 € 

24.12. - "Bildungsfern"-Fortsetzung ("Vagabund") wird gratis 

24.12. - Release meiner Krabat-Interpretation ("Krabat - Aus dem Volksmund") 

So gerne ich die Bücher in Papierform herausbringen würde, ohne KDP wird das schwierig, daher werden sie nach einem "Pay what you want"-Modell als PDF und Epub verkauft / verschenkt. 


Haut rein und man liest sich!

StSt 

Freitag, 7. November 2025

Amazons automatisierte Atombombe und das Ende meiner Buchverkäufe

Update:

Weil hier immer noch Leute reinschauen habe ich beschlossen, mich zwischendurch noch zu melden und das Buch sobald es etwas poliert ist zumindest noch auf dem Blog zu veröffentlichen. 

Es wäre zu schade um die Geschichte. 

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Hi allerseits,

vor ein paar Wochen habe ich mein zweites Buch angekündigt. 

Wie Faust, Merlin, Till Eulenspiegel oder der fucking Weihnachtsmann ist "Krabat" seit vielen Jahrzehnten in der Public Domain. Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass die meisten Leser bei Krabat als erstes an die Ottfried-Preußler-Version denken.

Dessen war ich mir sehr bewusst und habe daher einen Buchtitel, einen Autorennamen und ein gelbes Buchcover gewählt, das eine Verwechslung ABSOLUT unmöglich macht. Selbst der Name des Buches, "Krabat: Aus dem Volksmund" sollte die Herkunft der Krabat-Sage nochmal deutlich machen. Auch inhaltlich und sprachlich hatte meine Geschichte so ziemlich gar nichts mit der Preußler-Version zu tun, außer dass wir uns halt auf denselben Urtext von etwa 1850 berufen haben. 

Dass Amazon das Buch dann trotzdem nicht verlegen will, hatte ich schon halb erwartet. Das ist ja deren gutes Recht. NICHT erwartet hatte ich, dass dies als Versuch, Amazon-Kunden zu täuschen, gewertet würde:

Leider ergibt aus dieser (vermutlich automatischen), quasi nuklearen Überreaktion, dass auch mein altes Buch, "Bildungsfern", und die geplante Fortsetzung "Vagabund", nicht mehr verkauft werden können. 

Wer trotzdem noch das alte Buch als Epub / PDF haben will, kann mir jederzeit eine Mail schicken und es gratis bekommen oder eine Minispende per PayPal schicken. 

Schade Leute, das Schreiben und die tollen Reaktionen auf das alte Buch haben mir in den letzten Jahren sehr viel gegeben, aber so endet leider das Kapitel "Stefan Stütze". 

Haut rein, 

StSt  

Samstag, 25. Oktober 2025

Dritter Teil, in dem Erika, der Witwe, ein Unglück widerfährt

Kleinstadtquartett:  

Erster Teil: Achim

Zweiter Teil: Der Günnikologe

Dritter Teil, in dem Erika, der Witwe, ein Unglück widerfährt

Vierter Teil: die junge Mutter 

 

Dritter Teil, in dem Erika, der Witwe, ein Unglück widerfährt

Zweimal hatte sie den Pizzaboten nun schon gefickt und sich gegen ein drittes Mal entschieden. 

Das erste Treffen war minutiös geplant: sie wollte ihn direkt um 18:00 Uhr zu Schichtbeginn abfangen, denn dann sollte er noch Energie haben, und gleichzeitig, immerhin war es Dezember, war es schon dunkel genug um ihren Körper in ein schmeichelhafteres Licht zu hüllen. 

Nach einer holprigen ersten Nacht war die zweite etwas besser, beinahe hätte sie sogar einen Orgasmus gehabt. Auch hatte es ihr eine gewisse Genugtuung gegeben, dass Achim jede freie Minute mit dem Gedanken an junge Frauen verbracht und doch nie Erfolg hatte, es ihr jedoch, ein Schuss, ein Treffer, beim ersten Versuch gelang. 

Doch dann holte der Pizzabote am Ende sein Handy raus, um ein halbnacktes Selfie von den beiden zu schießen, für seine Jungs sagte er, und plötzlich fühlte sie sich benutzt und entfremdet von seiner ganzen Generation. Als er dann laut wurde, weil er seinen Willen nicht bekam, beendete sie die Affäre und beklagte später nur den Verlust der einzig essbaren Quattro Stagioni der Kleinstadt. 

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Nun ist Januar, Achim schon vor Monaten zu Grabe getragen, und draußen schneit es. Die Witwe geht in die Garage, und nur hier hat sie sowas wie Sehnsucht nach ihrem Mann. Denn dort steht das Auto, der Satz Winterreifen noch in der Ecke, daneben ein zerbeultes Motorrad das sie allein kaum zu verkaufen vermag, und ein riesiger Mercedes SUV dessen Raten sie allein nicht mehr stemmen kann.

Da war doch der Günni, fällt ihr ein mit etwas Ekel, vielleicht kann ich dem das Motorrad andrehen. Das hat doch für den einen sentimentalen Wert… Aber der komische Typ wohnt ja noch in seiner Mietwohnung… Dennoch schreibt sie ihm bevor sie los zur Arbeit fährt.

Es ist auf halber Strecke zur Arbeit, dass ihr das Unglück widerfährt. Es ist nicht klar, ob es an der Nachricht von Günni liegt, die sie während der Fahrt lesen muss. 
Oder an dem eingeschränkten Sichtfeld, das sie durch das viel zu große Auto hat. 
Oder an den Reifen, die der schneevermatschen Straße nicht ganz gewachsen sind. 

Ein Aufprall und ein Schrei lassen Erika aufhorchen. Wäre da nicht die Motorhaube im Wege, könnte sie die junge Mutter sehen. Ihr gebrochenes Bein, den Buben der neben ihr sitzt und weint, die Platzwunde am Kopf, die Einkäufe verteilt über den Zebrastreifen. 

Erika steigt aus, schreit die junge Mutter an, ob sie denn keine Augen im Kopf habe. Dann sieht sie, dass die junge Mutter wohl ein Rad geschoben hatte, herrjemine, das liegt da auch noch, die ganze Front des Mercedes ist zerkratzt, und sogar der Stern. Gott bewahre, nicht der Stern.

Es schneit unentwegt, während zwei Sanitäter sich um die junge Mutter kümmern und Erika auf die Wachtmeisterin wartet, und Erika merkt, wie ihr die Tränen kommen. Was die Versicherung wohl jetzt extra kosten wird, und extra einen Termin in der Werkstatt müsse sie machen, und wohlmöglich ein paar Punkte in Flensburg, nur weil das blöde Teeniegör nicht aufpassen konnte. 

So ein Unglück, denkt sie, könne auch nur ihr widerfahren.