Mittwoch, 8. April 2026

Stütze ist zurück

Moin allerseits,

nachdem ich durch den Amazon-Ban etwas demotiviert wurde und meine Reddit-Nutzung "dank" einer Flut von Slop stark nachgelassen hat, hier ein Lebenszeichen. 

Ich habe beschlossen, dem Trend zu trotzen und noch ein paar authentische Texte rauszuballern, bevor des Internets Sterbeglocken läuten. Rage, rage against the dying of the light und so. 

Zeitplan für 2026:

heute: "Bildungsfern" - gratis runterladbar unter https://ko-fi.com/s/109c93e46b

01.05. - Finale des Kleinstadtquartetts 

Juni-August: drei "klassische" Unterschichtblog Posts  

31.10. - Release der "Bildungsfern"-Fortsetzung ("Vagabund") 

24.12. - Release meiner Krabat-Interpretation ("Krabat - Aus dem Volksmund") 

So gerne ich die Bücher in Papierform herausbringen würde, ohne KDP wird das schwierig, daher werden sie nach einem "Pay what you want"-Modell als PDF und Epub verkauft / verschenkt. 


Haut rein und man liest sich!

StSt 

Freitag, 7. November 2025

Amazons automatisierte Atombombe und das Ende meiner Buchverkäufe

Update:

Weil hier immer noch Leute reinschauen habe ich beschlossen, mich zwischendurch noch zu melden und das Buch sobald es etwas poliert ist zumindest noch auf dem Blog zu veröffentlichen. 

Es wäre zu schade um die Geschichte. 

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Hi allerseits,

vor ein paar Wochen habe ich mein zweites Buch angekündigt. 

Wie Faust, Merlin, Till Eulenspiegel oder der fucking Weihnachtsmann ist "Krabat" seit vielen Jahrzehnten in der Public Domain. Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass die meisten Leser bei Krabat als erstes an die Ottfried-Preußler-Version denken.

Dessen war ich mir sehr bewusst und habe daher einen Buchtitel, einen Autorennamen und ein gelbes Buchcover gewählt, das eine Verwechslung ABSOLUT unmöglich macht. Selbst der Name des Buches, "Krabat: Aus dem Volksmund" sollte die Herkunft der Krabat-Sage nochmal deutlich machen. Auch inhaltlich und sprachlich hatte meine Geschichte so ziemlich gar nichts mit der Preußler-Version zu tun, außer dass wir uns halt auf denselben Urtext von etwa 1850 berufen haben. 

Dass Amazon das Buch dann trotzdem nicht verlegen will, hatte ich schon halb erwartet. Das ist ja deren gutes Recht. NICHT erwartet hatte ich, dass dies als Versuch, Amazon-Kunden zu täuschen, gewertet würde:

Leider ergibt aus dieser (vermutlich automatischen), quasi nuklearen Überreaktion, dass auch mein altes Buch, "Bildungsfern", und die geplante Fortsetzung "Vagabund", nicht mehr verkauft werden können. 

Wer trotzdem noch das alte Buch als Epub / PDF haben will, kann mir jederzeit eine Mail schicken und es gratis bekommen oder eine Minispende per PayPal schicken. 

Schade Leute, das Schreiben und die tollen Reaktionen auf das alte Buch haben mir in den letzten Jahren sehr viel gegeben, aber so endet leider das Kapitel "Stefan Stütze". 

Haut rein, 

StSt  

Samstag, 25. Oktober 2025

Dritter Teil, in dem Erika, der Witwe, ein Unglück widerfährt

Kleinstadtquartett:  

Erster Teil: Achim

Zweiter Teil: Der Günnikologe

Dritter Teil, in dem Erika, der Witwe, ein Unglück widerfährt

Vierter Teil: die junge Mutter 

 

Dritter Teil, in dem Erika, der Witwe, ein Unglück widerfährt

Zweimal hatte sie den Pizzaboten nun schon gefickt und sich gegen ein drittes Mal entschieden. 

Das erste Treffen war minutiös geplant: sie wollte ihn direkt um 18:00 Uhr zu Schichtbeginn abfangen, denn dann sollte er noch Energie haben, und gleichzeitig, immerhin war es Dezember, war es schon dunkel genug um ihren Körper in ein schmeichelhafteres Licht zu hüllen. 

Nach einer holprigen ersten Nacht war die zweite etwas besser, beinahe hätte sie sogar einen Orgasmus gehabt. Auch hatte es ihr eine gewisse Genugtuung gegeben, dass Achim jede freie Minute mit dem Gedanken an junge Frauen verbracht und doch nie Erfolg hatte, es ihr jedoch, ein Schuss, ein Treffer, beim ersten Versuch gelang. 

Doch dann holte der Pizzabote am Ende sein Handy raus, um ein halbnacktes Selfie von den beiden zu schießen, für seine Jungs sagte er, und plötzlich fühlte sie sich benutzt und entfremdet von seiner ganzen Generation. Als er dann laut wurde, weil er seinen Willen nicht bekam, beendete sie die Affäre und beklagte später nur den Verlust der einzig essbaren Quattro Stagioni der Kleinstadt. 

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Nun ist Januar, Achim schon vor Monaten zu Grabe getragen, und draußen schneit es. Die Witwe geht in die Garage, und nur hier hat sie sowas wie Sehnsucht nach ihrem Mann. Denn dort steht das Auto, der Satz Winterreifen noch in der Ecke, daneben ein zerbeultes Motorrad das sie allein kaum zu verkaufen vermag, und ein riesiger Mercedes SUV dessen Raten sie allein nicht mehr stemmen kann.

Da war doch der Günni, fällt ihr ein mit etwas Ekel, vielleicht kann ich dem das Motorrad andrehen. Das hat doch für den einen sentimentalen Wert… Aber der komische Typ wohnt ja noch in seiner Mietwohnung… Dennoch schreibt sie ihm bevor sie los zur Arbeit fährt.

Es ist auf halber Strecke zur Arbeit, dass ihr das Unglück widerfährt. Es ist nicht klar, ob es an der Nachricht von Günni liegt, die sie während der Fahrt lesen muss. 
Oder an dem eingeschränkten Sichtfeld, das sie durch das viel zu große Auto hat. 
Oder an den Reifen, die der schneevermatschen Straße nicht ganz gewachsen sind. 

Ein Aufprall und ein Schrei lassen Erika aufhorchen. Wäre da nicht die Motorhaube im Wege, könnte sie die junge Mutter sehen. Ihr gebrochenes Bein, den Buben der neben ihr sitzt und weint, die Platzwunde am Kopf, die Einkäufe verteilt über den Zebrastreifen. 

Erika steigt aus, schreit die junge Mutter an, ob sie denn keine Augen im Kopf habe. Dann sieht sie, dass die junge Mutter wohl ein Rad geschoben hatte, herrjemine, das liegt da auch noch, die ganze Front des Mercedes ist zerkratzt, und sogar der Stern. Gott bewahre, nicht der Stern.

Es schneit unentwegt, während zwei Sanitäter sich um die junge Mutter kümmern und Erika auf die Wachtmeisterin wartet, und Erika merkt, wie ihr die Tränen kommen. Was die Versicherung wohl jetzt extra kosten wird, und extra einen Termin in der Werkstatt müsse sie machen, und wohlmöglich ein paar Punkte in Flensburg, nur weil das blöde Teeniegör nicht aufpassen konnte. 

So ein Unglück, denkt sie, könne auch nur ihr widerfahren.  

Montag, 20. Oktober 2025

Das Milch-Unboxing

Gut Leude, 

heute habe ich euch zwei Milchen mitgebracht bei denen ich so ein bisschen (Kamera zoomt auf Zeigefinger und Daumen, die beinahe aufeinander liegen) vergleichen will, ob ihr die Basis-Version (zeigt auf die Ja! frische Vollmilch) - kaufen sollt, und für wen sich vielleicht sogar die Pro-Version lohnt - zeigt auf Wiesenkevin Frische Vollmilch. 

(Es folgt ein Schnitt, dann macht der Youtuber erstmal Werbung für einen VPN-Service, den er sicher auch selbst nutzt.) 

Gut, viele von euch wollen ja die Unboxing-Erfahrung so ein wenig nachvollziehen, fangen wir damit mal an. 

Super clever, beide Milchen kommen in dieser flüssigen Form, man kann sie also einfach (zeigt Videoausschnitt wo er tollpatschig versucht die Milch in ein Glas zu schütten, aber sie überschwappt) aus der Verpackung in ein anderes Gefäß umfüllen.

Also von den Specs her ist der Case erstmal sehr ähnlich: hier die Lasche, da kann man auch das MHD (er spricht es /ɛm-heɪtʃ-diː/ aus) sehen. Ah ja, hier sieht man schon, da tun sich beide Milchen nicht viel. Der Ja! Liter hat hier sogar ein bisschen mehr Power, noch zwei Tage länger haltbar. 

Aber was der Wiesenkevin besser macht (er streichelt die Verpackung) ja also das sieht man auf der Kamera nicht so, aber: einfach GEIL. Dafür ist Wiesenkevin ja einfach bekannt in der Milk Community, einfach dieses matte, elegant eingebrannte Bild. Da sieht man sogar noch die Kuh drauf. Also sorry Ja!, da dunkt der Wiesenkevin schon geisteskrank auf euch (Drucklufthorn im Hintergrund). 

Wenn man das jetzt mal ausschüttet (er schnippt mit den Fingern, Kamera-Schnitt, beide Gläser sind voll). Wir machen jetzt mal den blinden Test, Jan (ausgesprochen ʤæn) the Camera Man, komm mal her, verbinde mir jetzt mal Augen (ein Bild von einem skeptisch dreinblickenden Dackel wird für eine Sekunde eingeblendet), ruhig ein bisschen strammer, du weißt ja ich mags etwas fester (Zweisekündiger Clip von einem Basketballspieler der “Wait, hol’ up” sagt).

Gut und jetzt die Engagement Challenge: dropt mal ein paar Comments ob ich das am Geschmack erkennen kann. (Er nimmt den ersten Schluck, gurgelt, schluckt). Ja geil, also richtig voll von der Textur her, aber bevor ich rate, erstmal die andere Milch. 

(Er erwägt kurz) - ah ja, also vorweg kann Ich schonmal sagen: beide Milchen erfüllen ihren Zweck und vom Preis her hätte ich nicht erwartet, dass die SO nah beinander liegen. Aber der Wiesenkevin (zeigt auf das zweite Glas), holt mich von seiner Vollmundigkeit ein bisschen mehr ab. (Auf dem Off kommt eine Stimme, Jan the Camera Man: “das ist actually die Ja!-Milch).

NO WAY, schreit der Youtuber, macht einen O-Mund für das Thumbnail, also alter, das ist ja ein perverses Armutszeugnis für den Wiesenkevin, absolutes Kino. Ja also da seht ihr mal, es kommt nicht immer auf den Preis an und es ist ja auch echt ein kleines offenes Geheimnis in der Molkmunity, der Wiesenkevin liefert einfach nicht mehr so abartig wie früher. Und wenn ihr jetzt vielleicht neugierig seid, wieso die Wiesenkevin 2014-2018 Version als so ikonisch gilt, dann klickt doch hier auf den Link. Sonst lasst gern ein Like da und subscribed für mehr Molk & Talk (er spricht es tolk aus). 

Sonntag, 12. Oktober 2025

Das Wohnheim

Der Hausmeister schließt die Tür auf. Licht an, an den Wänden und der Decke flüchten Scharen von Silberfischen in Ritzen und Lücken. Die Deckenlampe ist eine oben offene Schüssel, eine Falle für ein halbes Pfund toter Fliegen und Silberfische.

Ein gelbverrauchter dicker Vorhang verdeckt das einzige kleine Fenster. Im Raum, noch ein Schrank, ein Tisch und ein Bettgestell. Die Wände gefühlt aus Pappmaschee, man hört alles. Auf der Matratze muss horrendes passiert sein. “Die tauschen wir noch aus”, sagt der Hausmeister. “Perfekt, das Zimmer nehme ich”, sage ich mit Beklemmung aus der Not heraus.

Die Nasszelle - ein fensterloses Duschbad mit Wänden vollständig aus Plastik - teilen wir uns zu viert, die Lüftung ist kaputt und meine Mitbewohnerinnen lassen beim Scheißen und Duschen die Tür auf. Die Spülung ist gleichzeitig unterdimensioniert und lächerlich laut. 

In der Küche hat jeder ein Fach im Kühlschrank, die Spüle versteckt sich unter einem Haufen Geschirr, die Hälfte sauber, in Anführungsstrichen, die andere dreckig. Wenigstens hier gibt es zwei Fenster. Aus einem schau ich raus, auf das Uniklinikum. An dessen Wand fällt mir ein Schornstein ungefähr im zehnten Stock auf, über dem ein riesiger Rußfleck ragt. Wie soll man das denn reinigen, frage ich mich. 

Muss man da ein Gerüst bauen, oder lassen die einen Streicher mit Hängebühne runter? Was man da wohl verdient, so als Streicher? Ich hätte ja erstmal Panik, so hoch über den Boden. Aber vielleicht gewöhnt man sich daran? Der Rußfleck nimmt für ein paar Minuten meine Gedanken ein. 

Alles, um nicht an den halben Staubsaugerbeutel voll Silberfischen zu denken.